Mutter erzählte mir bereits letzte Woche, dass Hedi, eine Klassenkameradin, gestorben sei. Sie habe schon mehrere Jahre im Koma gelegen, jetzt sei sie erlöst worden.

Heute war nun Hedis Beerdigung. Mutter erzählte vorher noch ein wenig von früher und darüber, wie ihre Mutter gerne bei Hedis Mutter zum Klatschen über die Straße gegangen sei.

Mutter ist zurück von der Beerdigung. Etwas peinlich berührt erzählt sie mir: Von Gehirntumor war die Rede, von Knochenkrebs. Seltsam, das soll Hedi alles passiert sein? Irgendwann fiel dann der Groschen: Es ist von jemand anderem die Rede! Es war jemand anderes gestorben, der Name, eine Verwechslung. Es waren aber alle Bekannten sonst auch da, und es war auch die richtige Kirche und so.

Es war eine andere Bekannte von Mutter. Die falsche Tote, aber trotzdem richtig auf der Beerdigung. Hedi lebt immer noch.

Wir lachen über die Verwechslung. Auch eine Art, dem Tod die Zähne zu zeigen.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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