Mir sind die Tage alte Aufnahmen wieder in die Hände gefallen: Als Fünfzehnjähriger habe ich in einer Punkband gespielt. Naja, in einer halben: Mein Kumpel war Sänger und Gitarrist, ich selbst schrieb die Texte und spielte die zweite Gitarre. Da kamen dann solche Punklieder heraus wie das, bei dem wir gegen das erdrückende Gutmeinen und die Zuvorkommenheit unserer liberalen Eltern rebellierten. Jedenfalls reagierte ich mich im Schreiben und mein Kumpel im Schreien ab. Das Lied endete denkwürdig: „Das sag ich euch/ als freier Mensch/ als freier Punk!“ Das war damals niemandem peinlich.

In einem anderen Lied schrieb ich über den ersten Sex mit einem heißen Mädchen. Das Lied hieß bezeichnenderweise „Der Fünf-Minuten-Traum“. Erst heute fällt mir die dahinterstehende altersbedingte Schicksalsergebenheit auf. Hätte mir das damals jemand gesagt, es wäre mir peinlich gewesen.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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