Nun, ich mache es kurz: Ich werde verhungern, verdursten, aus Hygienemängeln an allen möglichen Infektionskrankheiten sterben, da keine Medikamente in Frage kommen und auch sonst der Planet längst dem Untergang geweiht ist.

Wie das nun? Nun, ich übertreibe natürlich. Aber als ein umweltbewusster, sozial und global verantwortlich denkender Mensch, der Wert auf bewusste Kaufentscheidungen legt, ist das Ende der Fahnenstange erreicht.

Ich tanke nicht mehr bei Shell seit Brent Spar. Ich kaufe kein Nestlé-Produkt, da war mal was mit kleinen schwarzen afrikanischen Kindern und die Unterstützung des Apartheid-Regimes. Ich pfeife auf die großen Fast-Food-Ketten und Kraft-Foods, die die Siegel finanzieren und kontrollieren, die ihnen im Gegenzug eine ökologische Unbedenklichkeit bescheinigen. Ich kaufe nicht bei den Discountern, die mittlerweile auf fair trade machen, aber die eigenen Mitarbeiter mies bezahlen, schikanieren und nicht einmal Betriebsräte als Mindeststandard zulassen. Das Sterben werde ich mir auch abgewöhnen müssen, da ich keinen Grabstein aus indischen Steinbrüchen haben möchte, für den sechszehnjährige Arbeiterkinder schon vor mir an Staublunge sterben mussten. Ich unterstütze keine gentechnisch verseuchten Lebensmittel und lehne Patente auf Leben ab. Allerdings sehe ich auch den ganzen Bio-Hype skeptisch, da kaum Standards eingehalten werden und ich den Verdacht habe, dass die mir nur meine Lebensmittel verteuern wollen. Ich will keine Kosmetikartikel aus Tierversuchen und schon gar keine Produkte aus Massentierhaltung. Künstliche Aromen mag ich nicht, das Erdbeeraroma im Erdbeerjoghurt wird aus Sägespäne gewonnen, wussten Sie das? Außerdem: Haben Sie schon einmal überlegt, woher all die „darmaktiven Bakterien“ in ihrem Joghurt eigentlich her kommen? Wo sonst her, als aus einem Darm eines ihrer Mitmenschen? Ich möchte keine Laptops oder Handys, für die Minenarbeiter in Afrika und China für einen Hungerlohn schuften mussten. Ich will nicht, dass mein Leitungswasser privatisiert wird, in Südamerika haben sie das gemacht, dort ist ein Liter Cola heute günstiger als ein Liter Leitungswasser.

Soweit alles klar? Gut. Jetzt kommt nämlich mein Dilemma: Seit mein Kind „Ein Schweinchen Namens Babe“ gesehen hat, gibt es kein Schweinefleisch mehr. Seit „Findet Nemo“ auch keinen Fisch mehr, auch wenn eine Forelle nicht aussieht wie ein Clownfisch. Da gibt es keine Diskussionen! Mein Steak darf ich auch nicht mehr essen, seit wir über ein Video über eine „Kuhrettung“ in Rheinberg gestolpert sind. Von den anderen Tierfilmen brauche ich nicht zu klagen, denn der „König der Löwen“ war wieder safe, da a) Löwen keine Vegetarier sind und auch nicht durch genügend Dummheit und Betroffenheit welche werden und daher Giraffen essen dürfen und b) die Gefahr doch sehr gering ist, aus Versehen in unserem Hackfleisch gepanschtes Giraffenfleisch statt Pferdefleisch zu finden.

Eigentlich sollte ich Disney dafür verklagen, dass ich mich nun nur noch von schweineteuren freilaufenden Bio-Hühnern vom Bauernhof um die Ecke ernähren kann. Mir schmeckt nämlich kein Hühnchenfleisch.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

Das Sein verstimmt das Bewusstsein. literatur & kultur| lesen & schreiben| tech & privacy| kritik & gesellschaft|

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s