Schmetterling

Welch schönes Jenseits
ist in deinen Staub gemalt.
Durch den Flammenkern der Erde,
durch ihre steinerne Schale
wurdest du gereicht,
Abschiedswebe in der Vergänglichkeiten Maß.

Schmetterling
aller Wesen gute Nacht!
Die Gewichte von Leben und Tod
senken sich mit deinen Flügeln
auf die Rose nieder
die mit dem heimwärts reifenden Licht welkt.

Welch schönes Jenseits
ist in deinen Staub gemalt.
Welch Königszeichen
im Geheimnis der Luft.

Nelly Sachs: Fahrt ins Staublose. Frankfurt am Main 1961, S. 148.

 

Das Nachwort von Enzensberger zu ihren Gedichten ist nach wie vor lesenswert. Das Gedicht „Schmetterling“ muss gelesen werden als eine Reaktion auf die in der unmittelbaren Nachkriegszeit populäre Welt- und Realitätsflucht der Naturlyriker wie Bergengruen oder Wilhelm Lehmann. Neben dem Literaturnobelpreis 1966 erhielt Nelly Sachs 1965 den Friedenspreis des deuschen Buchhandels. Die Laudatio wie die Dankesrede sind online verfügbar. Nelly Sachs hatte vergangenen Montag ihren 44. Todestag. Sie starb am Tag von Paul Celans Beerdigung.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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