Ein fleißiger Student sah ängstlich seinem Examen entgegen. Er wurde von seinem Professor, der ihn das ganze Studium betreute und ihm ein außerordentliches Talent zuschrieb,  ermutigt, er wisse alles für sein Examen, er solle sich keine Sorgen machen. Das Examen kam und der Student stellte sich seinem Schicksal. Das Examen war letztlich doch zu schwer für den Studenten, er fällt durch. Der Professor tröstete ihn mit den Worten: „Aber so war es doch immer schon gewesen! Die Prüfung diente alleine dazu, Ihnen die Unzulänglichkeiten offen darzulegen. Sie sind gescheitert, und das war ja auch der Sinn der Prüfung. In nichts weiter hatte ich meine Erwartungen gesetzt. Sie sollten stolz darauf sein. Gehen Sie nach Hause und denken Sie darüber nach.“  So ging der Student ohne Abschluss nach Hause und dachte an all die langen Jahre seines Studiums und was er nun eigentlich daraus gelernt habe. Derweil nahm der Professor den nächsten unwissenden, aber vielversprechenden Studenten unter seine Obhut. Der Student traf den Neuling im Herausgehen zwischen Tür und Angel und er erhaschte in einem kurzen Augenblick die Spur unbewusster Erregung im Innern, die sich in der Hautrötung im Gesicht des Neuen bemerkbar machte, gemischt mit einer Spur Angst vor dem Ungewissen, die ihn in seinen damaligen Tagen ebenfalls ereilten. Und da erinnerte er sich an einen Studenten, dem er wiederum damals beim Eintreten in das Büro des Professors begegnet war. Er erinnerte sich auf einmal an die leichte Wesensverstörtheit, die er an dem anderen wahrnahm. So dachte der Student an die Worte des Professors: So war es immer schon gewesen.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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