Foto: Kulturforscher bei der Arbeit.
Foto: Kulturforscher bei der Arbeit

 

Wir leben in Zeiten von denen man sagt, sie seien das Ende der Geschichte. Was also soll man noch erzählen, was soll man noch erleben. Die Ausrufung vom Ende der Geschichte steht dem Historiker schlecht. Er macht sich zu seinem eigenen Gegenstand. Der Unterschied bestünde darin, sich seine eigene historische Position bewusst zu machen.

Spätere Kulturforscher werden sich vornehmlich dafür interessieren, wie wir mit der jüngst vergangenen Geschichte umgegangen sind und wie wir diese Verantwortung zu Vergangenem zu unserer eigenen Geschichte gemacht haben. Alles, was wir tun, dient somit der eigenen Menschwerdung, abhängig von dem historischen Horizont, dem wir gegenüberstehen und unabhängig von dem Wunsch, die eigene Vergangenheit möge einen in Ruhe lassen, wenn man sich nur möglichst geräuschlos von ihr entfernt.

Der Wunsch, in aufregenden Zeiten zu leben, ist ein eigenartiger Wunsch. Denn das Vergangene sitzt uns im Nacken und die Zukunft blendet im Schein des messianischen Lichts. Erst von diesem Standpunkt aus ließe sich eine Geschichte mit allen Schrunden und Trümmern schreiben, die sie bis dahin getragen haben. Alles vorher bleibt Chronik, die je lückenloser sich gibt, nur dem Gegenständlichen umso mehr verhaftet bleibt.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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