In einem Interview hält die Leiterin des Instituts für Blutspuranalyse in Usingen, Silke Brodbeck, ein Detail fest, das sehr interessant ist:

 

Brodbeck: Nein. Fachlich ist die Serie nicht gut validiert. Die Techniken, die zum Einsatz kommen, sind altmodisch. Schnüre zur Berechnung des Blutungsursprungs sollten heute eigentlich nicht mehr zum Einsatz kommen. Mich stört aber auch, dass die Morde, die Dexter selbst begeht, dadurch legitimiert werden, dass sie andere Täter treffen. Das ist nichts anderes als ein Plädoyer für die Todesstrafe. Dexter ist außerdem ein gutes Beispiel dafür, dass die heutigen Serien immer brutaler werden.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Brutalität ist doch in der Welt. Sie selbst werden an den Tatorten dauernd damit konfrontiert.

Brodbeck: Die Realität ist oft sogar brutaler als der Film. Ich bin selbst großer Krimileser. Früher ging es jedoch vor allem um das Wesentliche: Wer ist der Täter? Heute wird immer detaillierter beschrieben, wie der Leichenfundort beschaffen war oder der Zustand der Leiche. Im Mittelpunkt steht heutzutage die Brutalität des Mordes und nicht die Klärung der Tat.

 

Vielleicht hängt es mit dem Medium zusammen, das den Krimi erzählt? Der Film und das Fernsehen leben davon, dass sie der Phantasie etwas vorwegnehmen, dem Zuschauer also etwas vorenthalten. Außerdem scheint es, als müsse sich dieses Medium immer selbst überbieten und immer etwas noch Spektakuläreres bringen. Bücher müssen auch immer etwas Neues erzählen, allerdings liegt das Innovative meist in der erzählten Story und im Plot, nicht in der Darstellung. Das gibt es sicherlich schon, aber es gibt keinen Wettlauf wie das beim Film der Fall zu sein scheint.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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2 Kommentare

  1. Die Realität ist oft sogar brutaler als der Film. Ich bin selbst großer Krimileser. Früher ging es jedoch vor allem um das Wesentliche: Wer ist der Täter? Heute wird immer detaillierter beschrieben, wie der Leichenfundort beschaffen war oder der Zustand der Leiche. – Da hat sie recht. Ich mag schon keine schwedischen oder amerikanischen Krimis mehr in die Hand nehmen. Neulich mal wieder den guten, alten Glauser gelesen – DAS waren Krimis. Oder auch Simenon. Und was auch nervt: Bei den Schweden insbesondere – immer ist der Mörder ein psychisch Kranker, meist ein Schizophrener. Dabei werden Morde von Menschen wie Dir und mir und unseren Lesern begangen.

    1. Ja, da sagst Du was. Ich hatte vor ein paar Jahren bei einem Freund eine Verfilmung eines norwegischen oder schwedischen Krimis gesehen. Das war schon ein deutlicher Unterschied zu einem Hitchock oder Agatha Christie! Aber ich bin weit davon entfernt, da einen Überblick zu haben. Es war allerdings auffällig und ich fragte mich noch, woran das liegt, kam dann aber zu dem Schluss, dass es einfach der Lauf der Zeit ist und sich manche Dinge eben ändern.

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