Es gibt Dinge, die muss man erst kontextualisieren. Hegel hatte bereits einen Kurzauftritt hier (eigentlich zwei), nun kam mir ein Gedanke zu Nietzsche, als ich etwas über Feuerbach las:

Feuerbachs Religionskritik, die er vor allem in seinem Hauptwerk Das Wesen des Christentums festhielt, drehte das bisherige Gottesverständnis um: Nicht Gott hat den Menschen geschaffen nach seinem Abbild, sondern der Mensch hat Gott geschaffen nach seinem Abbild. Somit existiert Gott als menschliche Vorstellung und mit menschlichen Eigenschaften. Die positiven Aspekte des Menschen, Solidarität, Freiheitsliebe, Mitmenschlichkeit, Liebe, Gerechtigkeitssinn, all diese Dinge werden idealtypisch auf Gott projiziert, der eine reine Verkörperung dieser Ideen darstellt. Somit begründete der Mensch seine eigene Moralvorstellung mit einer göttlichen Legitimation, jeweils in seiner historischen Epoche, in seiner historischen Zeit.

Das ist der Kontext von Nietzsches berühmtem Ausspruch aus dem Aphorismus 125 in den Fröhlichen Wissenschaften: Gott ist tot. Gemeint ist nicht ein transzendenter Gott, den es seit Feuerbach nicht mehr gibt, gemeint ist die idealtypische Vorstellung dieses Gottes, wie sie die jeweilige historisch bedingte Moral des Menschen hervorgebracht hat.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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