Heute kam ein weiterer Embargo-Brecher an, aber ich bin unschuldig! Es ist ein Geschenk. Das ist ja dann natürlich etwas ganz was anderes und etwas anderes als Bücher wünscht man sich ja auch normalerweise nicht, nicht wahr!

Jedenfalls bin ich auf dieses Handbuch schon gespannt. Ein erster Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt aber bereits eine Schwäche, wenn ich das richtig sehe: Es ist kein Artikel vorhanden zu Interdependenzen zu anderen Schriftstellern oder auch so etwas wie eine Rezeptions- oder Wirkungsgeschichte Kafkas. Dies ist in anderen Handbüchern aus dem Metzlerverlag durchaus vorhanden, etwa bei Büchner, Celan, Ingeborg Bachmann oder in dem Adorno-Handbuch.

Foto: Wolfgang Schnier

Hochinteressant wäre zum Beispiel eine Betrachtung von Kafka und Beckett. Die Helden beider Schriftsteller sind der modernen Welt ausgeliefert und kämpfen mit den Unmenschlichkeiten und der Absurdiät ihrer Zeit. Es sind oftmals Protagonisten des Scheiterns. Der Unterschied besteht jedoch in einer Weiterentwicklung von Kafka zu Beckett: Becketts Helden sind sich der eigenen Ohnmacht angesichts der Welt bewusst, während diese Reflexionsfähigkeit den Protagonisten bei Kafka fehlt – nicht zuletzt dies ist ein wichtiger Bestandteil dessen, was man früher einmal unter kafkaesk verstanden hat (hier gibt es eine kurze Begriffsgeschichte zu kafkaesk). Solche Interdependenzen sind wichtig für das Verständnis von Kafka, da sie ihn in eine gewisse Relation setzen: Das Werk eines Schriftstellers hängt nicht im luftleeren Raum, es gibt immer eine Vor- und eine Nachgeschichte. Die Einflüsse auf Kafka wiederum sind in dem Handbuch dargesellt, die Wirkungsgeschichte fehlt indessen.

Foto: Wolfgang Schnier

Nichtsdestotrotz kann ich die neueren Handbücher aus dem Metzlerverlag empfehlen. Sie geben einen gut lesbaren Überblick und decken in jedem Fall das Gesamtwerk des jeweiligen Schriftstellers/Philosophen ab. Darin wiederum scheint auch eine Stärke des Kafka-Handbuches zu liegen, wenn man sich das Inhaltsverzeichnis ansieht: Nicht nur die zentralen Werke finden Beachtung, sondern auch seine versicherungstechnischen und juristischen Schriftstücke, die er in seinem Broterwerb verfasst hatte. Das ist sicherlich ein nicht alltäglicher Aspekt bei der Kafkabetrachtung.

Übrigens, wo ich es das letzte Mal mit Homer hatte: zu ihm gibt es auch ein Handbuch. Das steht ebenfalls auf meiner Wunschliste!

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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