Ich habe zu Blogparaden, Blogstöckchen und ähnliches ein gemischtes Verhältnis. Zum einen möchte man nicht unfreundlich und ein Spielverderber sein, andererseits sind mir Kettenbriefe schon zu Schulzeiten schwer suspekt vorgekommen. Daraus ergab sich eine totale Verweigerungshaltung, vor allem, wenn irgendwelche wahnwitzigen Konsequenzen angedroht wurden. Nun, in Zeiten von Web 2.0 kippt man sich Wasserkübel über den Kopf und „nominiert“ dann jeden, den man nicht leiden kann (in den USA wurde übrigens nie der Grund vergessen, nämlich für eine gute Sache zu spenden. In Deutschland fand dieses Detail kaum Erwähnung).

Diese Blogstöckchen sind wieder etwas anders, und daher habe ich mich mit mir auf einen Kompromiss geeinigt: Ich werde schön brav die Fragen beantworten, aber sonst die Leute in Ruhe lassen und das Stöckchen niemanden an den Kopf werfen. Geflogen kam das Stöckchen von Ulrike, ich werde versuchen die Fragen soweit ich sie richtig verstehe zu beantworten (Ein anderes Blogstöckchen landete vor einiger Zeit ebenfalls vor meinen Füßen).

 Stell dir vor, du bist die Hauptfigur eines Romans. Wer möchtest du sein?

Ich wäre gerne Peter Pan.

Und wer bist du?

Wer ich wirklich wäre? Vermutlich einer seiner verlorenen Jungs.

Was treibt dich an, die Arbeit auf dich zu nehmen, ein Blog zu gestalten?

Es ist eine sehr gute Möglichkeit zu publizieren. Und, wenn man ehrlich ist, wird man dann von mehr Menschen gelesen als bei einer selbst finanzierten Miniauflage eines schlecht lektorieten Buches, von dem man den zehn ersten Freunden, denen auf die Schnelle keine Ausrede eingefallen ist, ein Buch aufschwatzt und den Rest dann vor Verzweiflung triefend auf Facebook oder twitter anpreist. Dann doch lieber bloggen.

 Möchtest du lieber von vielen Lesern gelesen oder von vielen Kritikern gelobt werden?

Die LeserInnen sind mir lieber.

Glaubst du, dass du mit Bildern oder Worten etwas bewirken kannst?

Kafka sagte: Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Mehr kann man als Schreiberling nicht erwarten. Und man sollte keinen geringeren Anspruch an sich haben. Ob man ihn erfüllen kann, ist wieder eine andere Frage.

Was war die beste Resonanz, die du bisher auf dein Blog bekommen hast?

Eine Lehrerin hat meine Gedichte im Unterricht behandelt und mir von den Reaktionen der Schüler berichtet. Das war sehr schön.

Hast du eine „Schere“ im Kopf, wenn du schreibst, oder formulierst du völlig unbekümmert?

Ja. Die Schere lautet: Relevanz. Ich könnte den ganzen Tag schreiben, aber das meiste wäre doch langweilig. Viele Dinge, die ich so auf manchen Blogs sehe, sind doch eher irrelevant. Ich möchte kein Onlinetagebuch führen, wen interessiert das schon? Vielleicht gibt es Menschen, bei denen dies interessant ist, mein Alltag ist dafür zu grau.

Möchtest du berühmt werden?

Nein. Das hört sich anstrengend an.

Gibt es einen Prominenten, den du dir zum Vorbild nehmen würdest? Wenn ja, warum?

Ich vermute, es gibt sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wer oder was ein „Prominenter“ ist. Ich schaue seit über einem Jahrzehnt kein Fernsehen und interessiere mich weder für sportliche Großereignisse noch für die Themen des Boulevard. Daher ist mir ein Ferdinand Kürnberger oder Sebastian Haffner näher als die Ulknudel um Viertel nach acht, auch wenn es wohl den meisten meiner Mitmenschen anders geht.

Wo würdest du am liebsten leben?

Ich habe mal eine zeitlang in New York City gelebt. Das war ganz nett. Auf Dauer finde ich aber die ländliche Region, in der ich lebe, angenehmer. Ich brauche meine ruhigen Spaziergänge im Wald und ich bin gar nicht unglücklich, wenn ich niemandem dort begegne.

 

Geschrieben von Wolfgang Schnier

Das Sein verstimmt das Bewusstsein. literatur & kultur| lesen & schreiben| tech & privacy| kritik & gesellschaft|

16 Kommentare

  1. Ich habe die Fragen auch gelesen und bei der Frage nach den Prominenten fielen mir bekannte Literaten, vornehmlich Dichter ein. Die sind doch auch prominent.
    Jedenfalls – interessante Antworten. Und New York hat mir auch gefallen, sogar mehr als nett. 🙂 Aber auf dem Land leben, das ist auch etwas sehr schönes. Bei der Gelegenheit: Hast Du, als Du in New York lebtest, auch geschrieben? Und wenn ja – hat sich der Ort auf Dein Schreiben ausgewirkt? Ich meine weniger thematisch, sondern ob Dein Stil sich durch die Örtlichkeit verändert hat? Ich stelle mir nämlich vor, dass wenn ich auf dem Land lebte, ich anders schriebe. Wie ist es denn bei Dir, wenn ich mal so frech fragen darf? 🙂
    Ach und Glückwunsch zum Award.

    1. So ähnlich hatte mich das schonmal jemand gefragt (http://goo.gl/jNygLx) :). Ich denke, diese Dinge spielen eine Rolle für die Lebenserfahrung. Wenn man es nicht völlig verkehrt anstellt, dann wird man im Laufe seines Lebens ja nicht dümmer. Man nimmt Einflüsse und Eindrücke in sich auf, man entwickelt sich weiter. Und so wirken sich die Orte, an denen man lebt und gelebt hat, auch auf das eigene Schreiben aus.

      1. Ja, das kommt wohl in den besten Familien vor, dass manchmal dieselbe Frage zwei Mal gestellt wird. Das nächste Mal frage ich was anderes. 🙂 Kann ich ja nicht ahnen, was Du schon gefragt wurdest. Vielen Dank für den Link. Habe gerade nicht die Ruhe, um das ganze Interview zu lesen, mache ich dann beizeiten. Dein Satz mit dem „sich nicht verkehrt anstellen“ hat mir gefallen. 🙂
        Ein „Ja“ hatte ich vermutet. Dennoch wollte ich nachgehört haben. Die Menschen sind ja doch unterschiedlich, richtig? *nickt* 🙂 einen schönen Abend Dir.

      2. Das war kein Vowurf! Keine Sorge, mir war nur eingefallen, dass es da eben schonmal stand (und den Link bewerben). 🙂
        Dir auch einen schönen Abend. 🙂

      3. Nee, hatte ich auch nicht so verstanden. Eben, vor einer Sekunde dachte ich: Hast Du da jetzt so geantwortet, dass das missverstanden werden könnte? Also noch mal her, um nachzulesen und siehe da, ja. Mist. 🙂 Nein, nein, alles gut. Manchmal klappt das mit der Ironie nicht so, da klingt sie anders, als sie soll. Sorry. Alles gut.
        Dir auch einen schönen Abend. Lieben Gruß

  2. Ich danke dir für deine nachdenklich stimmenden Antworten. Vor allem dein „Blog-Antrieb“ gefällt mir sehr. Und dann die Lehrerin… Einfach gut.

  3. Also, ich bin ja schon froh, dass Du dieses Blogstöckchen angenommen hast. Eine schöne Gelegenheit, um mehr von Dir zu erfahren. Deine Stöckchen-Lösung finde ich übrigens sehr elegant. Das werde ich in Zukunft wohl auch so machen… 🙂 Toll übrigens, dass Deine Gedichte im Unterricht besprochen wurden!

    1. Vielen Dank! Ja, die Besprechung im Unterricht war ein sehr schönes Feedback gewesen. Und, ja, Blogstöckchen sind immer ein wenig ambivalent. Aber ein oder zweimal im Jahr kann man sich schon dazu durchringen, finde ich. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s