Seneca schreibt: „Am Beispiel anderer gehen wir zugrunde: Wir werden geheilt werden, wenn wir uns nur von der Masse absondern.“

Dies schreibt der Mann, der zu dem Zeitpunkt als Berater des minderjährigen Kaisers Nero der einflussreichste Mann im römischen Staat und einer der reichsten Männer seiner Zeit war. Die wenigsten, die sich heutzutage von der Masse abgesondert wähnen, sind reich und/oder mächtig. Geblieben ist etwas anderes: Sich von der Masse absetzen hat seit Seneca etwas Elitäres. Dies erscheint heute jedoch lediglich in transformierter Form: Der Wunsch, sich von der Masse abzusondern ist heute allgegenwärtig. Individualität wird zum standardisierten Verkaufsargument. Diese Konformität zeichnet heute die Menschen aus, die sich damit zwar nicht von der Masse absondern (sondern sie damit erst begründen), sich dafür aber als Elite verstehen.

Foto:   9 von 10 Menschen stechen aus der Masse hervor.
Bild: 8 von 10 Menschen stechen aus der Masse hervor (Foto: Wolfgang Schnier)

 

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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