Dieses Büchlein kam vom Antiquariatsversand, es war für kleines Geld zu haben. Werner Kraft war ein Freund von Walter Benjamin und Gershom Scholem und mit Robert Minder, Günter Grass und Adorno bekannt. Er erzählt darin in vielen kleinen Miniaturen von Erinnerungen und Gedanken, manchmal sind es es nicht mehr als äußerst interessante Notizen, die eine Begebenheit, eine Szene, einen Gedanken festhalten. Zum Beispiel über einen Empfang bei Gershom Scholem anlässlich Günter Grass‘ Hundejahre, wo Grass meinte, er habe versucht den Stil von Heidegger nachzuahmen, um ihn damit zu entlarven. Bei dieser Gelegenheit gibt dann Gershom Scholem seine Meinung über Heidegger kund. Überhaupt finden sich viele Erinnerungen an den zu früh verstorbenen Freund. Oder zum Beispiel seine Notiz zu einem Reim, den er geträumt hatte und ihn im Traum entzückte, an den er sich aber nach dem aufwachen nicht mehr erinnern konnte. Da steht dann dazu: „Zwar ist es nicht die Zeit für Gedichte aber die Zeit für feuerspeiende Berge von Gedichten, die nicht töten sondern die Wahrheit sagen.“

Veröffentlicht wurden diese Kleinigkeiten im Jahr 1985. Heute würde sich kaum mehr ein Verlag für so etwas finden, diese Miniaturen würden heute allesamt auf einem Blog erscheinen. Allerdings habe ich so meine Zweifel, ob man diese Blogbeiträge ebenfalls dreißig Jahre später noch lesen können wird.

Foto: Wolfgang Schnier

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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