Eine Bekannte hat mir dieses Buch in die Hand gedrückt und hätte gerne meine Einschätzung dazu gehört, da ich in einem anderen Leben dazu einmal gearbeitet habe. Es geht um die Frage, ob es möglich ist, die Welt über Konsum zu verändern. Man braucht kein abgedrehter Esoteriker zu sein, um zu sehen, dass das momentane Weltwirtschaftssystem a) ungerecht b) einseitig und c) auf Dauer nicht tragfähig ist. Das weiß man im Grunde schon seit dem Beginn unserer modernen Konsumgesellschaft zu Beginn der 1960er Jahre. Neuere Untersuchungen (1, 2) zeichnen immer detaillierter die Strukturen und Bedingungen unserer Überflussgesellschaft nach, andere Publikationen fragen nach der Überwindung unserer selbstzerstörerischen Konsumkultur hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.

Hier geht es nun um eine kritische Bestandsaufnahme des engagierten Konsums. Diese Kritik ist nicht neu, aber sie ist bei den Akteuren des alternativen Handelns und Wirtschaftens, in der Fairhandels-Szene, in kirchlichen Strukturen, die noch die Befreiungstheologie kennen, und in globalisierungskritischen Zusammenhängen nicht prinzipiell geteilt oder gemocht. Viel zu sehr fehlt im Alltag die Möglichkeit der Reflexion und der theoretischen Hinterfragung des eigenen Tuns.

Es gibt bereits einige Bücher dieser Sorte in der jüngsten Vergangenheit (1,2,3,4), einige kritische Konsumkritik-Kritiken (1,2), und es gibt auch Einkaufsberatung in Hülle und Fülle – da ich Konsumberatung etwas schräg finde, hier nur der Hinweis auf ein solches Buch (1). Dazu gibt es noch ein paar ältere Bücher, die die heutigen Diskussionen teilweise vorbereitet haben, teilweise aber auch Dinge schon diskutierten, die heute wieder durchgekaut werden. Diese Bücher sind eigentlich nur noch von historischem Interesse, als Stichwort könnte man hier etwa Ivan Illich anführen.

Nun, ich werde mal schauen, ob es hier substantiell was Neues zu finden gibt. Falls ja, gehe ich einmal näher auf das Thema hier ein.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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3 Kommentare

  1. Diese Diskussion erhitzt die Gemüter ja schon seit Jahrzehnten. Wenn man die Energie nutzbringenden hätte Wandeln können, hätte sie schon einen signifikanten Beitrag zur Schonung von Ressourcen geleistet. Ich bekam vor einem Jahr Niko Paech geschenkt und schwankte zunächst, ob ich ein Resümee dazu verfassen sollte. Letztlich entschied ich mich für einen Brief, der noch seiner Antwort harrt: https://thomasbrasch.wordpress.com/2014/09/27/im-schnitt-besitzen-wir-10-000-gegenstande/

  2. So viele gute Bücher, Artikel, zum Konsumterror!
    Aber anscheinend lesen die nur Otto Normal-, Moralverbraucher, …
    zu denen ganz offensichtlich die Politiker, Banker, Zetschemanager, Aldibosse usw. usf. ja wohl nicht gehören…
    Die lesen das alles nicht
    und es interessiert sie eh einen feuchten Kehricht, denn es geht halt immer nur um den Profit und die Arbeitslosigkeit, ein ewiger Teufelskreis ohne Ende!

  3. Betrachtet man die Mentalitätsgeschichte, so gehen Impulse der Veränderung nicht zwangsläufig von den Eliten aus. Im Gegenteil, Eliten haben meist ein Interesse am Status Quo und ein Beharrungsvermögen in historischer Perspektive. Es ist nicht zwangsläufig notwenig, dass die Reichen diese Bücher lesen – wieso auch? Das ist eine andere Welt. Es geht darum, ein Problembewusstsein zu schaffen, dass unsere Lebensweise momentan nicht zukunftsfähig ist. Über den Weg kann man dann immer noch diskutieren.

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