Es gibt kein Medium, das einen Gedanken oder ein Argument besser über eine längere Zeit entwickeln und auf den Punkt bringen kann als das Buch. Das Leben ist komplex und dieser Komplexität muss man sich stellen – einfache und komplexitätsreduzierende Antworten werden unserer Welt nicht gerecht. Natürlich gibt es auch Bücher, die einfache und komplexitätsreduzierende Antworten anbieten. Das sind dann die unrühmlichen Vertreter der Gattung, die die Ausnahmen bleiben sollten, um die Regel zu bestätigen. Bücher können die Komplexität der Welt in einem Ausschnitt einfangen. Kein anderes Medium kann das in einer ähnlichen Qualität, schon alleine deshalb nicht, weil Bücher zeitunabhängig sind und daher die Möglichkeit besteht, nicht nur unsere Welt zu erkunden, sondern bereits vergangenen Geisteshaltungen nachzuspüren.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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8 Kommentare

  1. Wieviele Bücher passen in eine Bibliothek und wieviel sind in diesen Readern vorgegeben von irgendwelchen Konzernen. In einer Bibliothek sind wir fast frei von Vorgaben. Ohne Bücher gibt es keine Bildung. Ohne Bücher kein Abgleich zum Wertewandel – heute und gestern. Athropologie, Wissenschaften wie Psychologie und Philsosophie…..und all die anderen. Bücher sind Weltwissen. Nur ein Beispiel ist Henry David Thoreau (zivlier Ungehorsam – heute aktuelle den je) oder Pestalozzi (neue Schulen braucht das Land)- alles sehr wertvolles Wissen, in der sich stetig wandelnden Welt. Menschheitswissen ist Wissen und nicht immer muss das Rad neu erfunden werden. Ich hoffe diese Generation wird sie achten lernen – die Bücher. Sich selbst die Bücher aussuchen, die sie lesen wollen – ohne zu viele Vorgaben.

    1. Ich denke du meinst die Anthroposophie. Von der halte ich nicht viel. Pestalozzi ist mir suspekt, ebenso andere selbsterklärte Weltverbesserer, die denken, was uns fehlte wäre nur die richtige Pädagogik, um damit die zukünftige Welt zu formen. Das ist nicht nur apolitisch gedacht, sondern wird auch dem Menschen nicht gerecht, der nicht geformt werden soll, sondern wachsen muss. Und das vorzugeben widerstrebt meinem Drang nach Individualismus und Freiheit. Daher habe ich prinzipiell ein Problem mit so verstandener engagierter Pädagogik.

      Kürzlich habe ich hier ein Aphorismus von Nietzsche vorgestellt, der meinte, man müsse den jungen Menschen die Klassiker immer und immer wieder vorlesen, irgendwas bliebe schon hängen. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber bin mir fast sicher, dass sich in Sachen Didaktik seit Nietzsches Zeiten ein wenig was getan haben könnte. In Nietzsches Aphorismus ist allerdings der Gedanke enthalten, dass der Mensch wachsen muss, seinen eigenen Zugang zu der Welt finden und sich die eigenen Vorbilder suchen muss. Das ist das Gegenteil von Indoktrination, die immer ein Stück weit bei engagierter Pädagogik mitschwingt.

  2. Ich komme gerade vom Schwimmen und schau mal bei der Hitze ob hier im Oberstübchen Klarheit herrscht;-). So empfindlich bin ich nicht und trotzdem danke für deine Nach- Sicht.Ja ich meinte Anthopologie, ich denke die philosophische Athropologie – oder einfach die Kunde vom Menschen. So weit man das verallgemeinern könnte. Pestalozzi ist nur einer der Pädagogen, bedeutet für mich – ist kein Pädagogen-Guru – denn jede These oder Ansatz ist es wert überdacht zu werden. Dennoch hat er u.a. auch eine Grundidee von Humanität (heute nennen wir es den Versuche einer Inklusion – auf die Schule bezogen) entwickelt. (sein Stanser Brief -ist da lesenswert.) Ich arbeite in einem sagen wir „Auffangbecken“ einer Sonderpädagischen Schule mit verhaltensauffälligen Kindern – an einem Pilot Projekt. Sagen wir mit positiver Anthropologie. Ebenso mit Annahme u. Akzeptanz des Leids. Pestalozzi stellt die Erzieher nicht über die Kidner eher neben sie. Nur dadurch findet er Lösungen mit den Kindern zusammen, neue Wege und somit können sie selbständiger gehen. Er setzt auch bei den Nahebedürfnissen der Kinder an. Dennoch beschränke mich so gar nicht auf einen Ansatz oder These. (ist ein Unding in diesem Job) Da gilt meine Lebenserfahrung schon auch etwas. Eben jedes Kind braucht etwas anders von mir, weil seine Kultur, sein Umfeld in dem es lebt und wächst – seine Prägungen, seine Eltern die Schwierigkeiten mit der Lebensgestaltung haben – immer auch anders sind. Ich halte es daher mit den Phänomenen – ich wundee mich täglich und staune. Versuche Lösungen zu finden, jeder kleine positive Schritt ist ein Schritt.
    Manchmal brauche ich den 😉 Freud oder Andere, Virginia Satir…den lieben alten Goethe, den Sokrates, den Kant, auch die neueren Pädagogen wie Prof. Hurrelmann oder Hirnforscher wie Gerald Hüther und vieles mehr, um einzuordnen oder auch loszulassen. Jede Epoche, Kultur hat ihre Bilder von Erziehung. Einfach wachsen lassen geht hier leider nur schwer, weil wir nur den Rahmen haben – den wir arbeiten wir unter nicht so tollen Rahmenbedingungen (soziales Arbeiten wird wenig beachtet in dieser Gesellschaft.). Nun denn wir geebn was wir können und säen udn pflanzen und lassne sie auch austesten und wachsen. Sie dürfen sich einbringen und ich halte mich an viele ihrer Kinderrechte. Ich geb das Eigene. Tue das Eigene und hoffe es fruchtet.

    und manchmal lese ich in den „alten Büchern“ nach um neue Ideen zu entwickeln…
    Soweit so gut. ich wünsche dir einen schönen Abend mit hoffe einem guten Buch auf deinem Büchertisch

    1. Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar! Hier liegt gerade ein aktuelles Buch auf dem Tisch, das ich vielleicht noch rezensieren mag. Daher verrate ich mal nicht mehr. Dir auch einen schönen Abend!

  3. Ich teile deine Ansicht über Bücher vollkommen…
    ohne sie wäre die Menschheit wohl auf dem Niveau der Affen sicherlich „stehen geblieben“ *g*
    Bei den Leuten, die gar nicht (mehr) lesen (wollen/können) ist das ja heutzutage (noch) deutlich zu erkennen… *hehe*
    Liebe Grüße an dich
    vom Lu

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