Von Randy Pausch stammt eine Lebensweisheit, mit der, anders als die ganzen klugen Worte vieler Klassiker, das Leben als ein Prozess aufgefasst wird. Randy Pausch sagt: Rückschläge erinnern Dich daran, was Du wirklich willst. Wieso versteht dieser Aphorismus das Leben als einen Prozess? Nun, die Antwort auf die implizite Frage, was man nach einem Rückschlag machen solle, bleibt offen. Eine Lesart wäre folgende: Man soll sich durch den Rückschlag nicht beirren lassen, die Motivation soll angespornt werden und man spürt ein Verlangen, die Aufgabe, das Ziel, das man sich gestellt hat, doch zu erreichen. Man nimmt eben den steinigen Weg, die lange Route im Leben. Die andere Lesart aber geht genau in die andere Richtung: Ein Rückschlag gibt die Chance auf eine Auszeit, in der wir uns Gedanken darüber machen können, wo wir auf diesem Wege stehen, woran wir gescheitert sind und ob wir diesen Weg tatsächlich gehen wollen, gehen müssen. Während der Zeitgeist oft vom  TINA-Modell beseelt zu sein scheint, there is no alternative, weist dieser Aphorismus auf eine subtile Art und Weise darauf hin, dass es immer verschiedene Wege zum Ziel gibt, dass es immer verschiedene  Ziele geben kann und wir manchmal die Zeit brauchen, um uns darüber klar zu werden, was wir wirklich wollen. Und das ist ergebnisoffen, und das ist der prozessuale Charakter dieses Aphorismus: Es ist keine statische Lebensweisheit, die eine Anweisung für das richtige Leben befiehlt, die die richtige Richtung im Leben weist, sondern es ist ein dezenter Hinweis darauf, dass wir selbst zu einer Antwort kommen müssen, was unsere Ziele und unseren Weg im Leben angeht. Dazu ist nichts besser geeignet als ein Rückschlag auf unserem Weg, der uns das Ziel deutlicher vor Augen führt, der uns selbst hinterfragen lässt und und uns hilft, uns besser zu verstehen.

Bild: Eine Lebensweisheit, verstanden und angewendet (Foto: Wolfgang Schnier)

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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6 Kommentare

  1. Ich frage mich manchmal, ob ich nicht bereits ein Anhalten oder eine leichte Korrektur wie einen Rückschlag empfinde, also sehr drastisch. Gibt es denn im Leben überhaupt ein Zurück?

    1. Das Leben verläuft linear. Und es gibt auch in unseren Vorstellungen und Überzeugungen kein Zurück: Selbst wenn wir zu alten Einstellungen zurückkehren würden, wir wären immer noch um unsere Erfahrung reicher, die wir in unsere Position, in unser Denken aufnehmen.
      Ein Rückschlag ist fast immer ein singuläres Ereignis, das den linearen Fortgang eines geplanten Weges unterbricht. Auch das ist dann eine Erfahrung, die wir in uns aufnehmen.

      1. Leben kann man nur vorwärts. Aber aus der Rückschau kann man für das Weiter-leben lernen. Auszeiten sind Zeiten der Analyse im besten Fall. Daher ist ein Rückschlag, der zu einer Auszeit und zu neuem Lernen führt, vielleicht im Moment des Erlebens negativ, tragisch, aber kann das Leben in der Summe bereichern.

  2. Früher waren diese Rückschläge im Leben für mich tatsächlich Rückschläge im Leben. Heute sind sie eher ein stehen bleiben und innehaltenn, ein pausieren und überdenken. Dieses innehalten, Luft holen und überdenken hilft mir, mir Selbst-bewusst zu werden.

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