Dies hier ist ein Beispiel für ein solches Video/Lied, das mich melancholisch stimmte *):

 

Dieses Video schaute ich mir einige Male fasziniert an, um herauszufinden, wie es wohl um das Wertesystem von über 20 Millionen ZuschauerInnen steht, für die Shows wie diese für ihr Leben relevant sind. Ich finde es faszinierend, wie diese und ähnliche Präsentationen der Geschlechterdifferenz normativ wirken, vor allem für jüngere Menschen.

Ich wurde schwermütig über zwei Dinge: Einmal über das präsentierte Menschen- bzw. Frauenbild. Was sagt so eine Modenshow (ich glaube es ist eine Modenshow) in dieser Art und Weise über uns aus? Und was sagt es aus, dass dieses Video über 20 Millionen Zuschauer gefunden hat, aber eine Diskussion zum Beispiel zwischen Focault und Noam Chomsky über die menschliche Natur nur einen Bruchteil dieser Zahl? Es sagt sehr viel aus über den aktuellen Stand des Immergleichen, über die Kulturindustrie und inwiefern wir sie bereits als Normalität verstehen.

Zum anderen wurde ich melancholisch auch über den gelebten Hedonismus, die Lust und das Vergnügen an dem Schönen, dem Vergänglichen, dem Leben, das hier zum Ausdruck kommt. Diese Performance, die Choreographie, haben ja durchaus eine Ästhetik. Schwermütig wurde mir, weil ich keinen direkten, unbewussten Zugang dazu habe, sondern nur einen reflektierten. Das nimmt dem Ganzen einen gewissen Reiz und es fehlt die Faszination und das Glücksgefühl, das entsteht, wenn man sich als ein Teil dieses Spektakels fühlt, für das der Computer und das Internet nur eine technische Verlängerung darstellt, die überwindbar erscheinen in dem Moment des unmittelbaren Erlebens.

Und bei diesem Gedanken angelangt fragte ich mich, wo mir der direkte, unbeschwerte Zugang in meinem Leben noch so fehlt und mir das Reflektieren im Weg steht, um an dem gesellschaftlichen Hedonismus der westlichen Welt teilzuhaben.

Für uns Menschen, die reflektieren, Du und ich, für uns gibt es keinen Weg hinter die Reflexion zurück. Sie ist auch eine Grundvoraussetzung, die letztlich zur Mündigkeit führt. Und so besteht die Hoffnung, dass diese Reflexion auch bei einigen anderen der 20 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern einsetzt. Dazu kann dieses Video ja durchaus dienen.

Foto: Reflektierte Melancholie
Bild: Reflektierte Melancholie (Foto: Wolfgang Schnier)

*) Das ursprüngliche Video wurde entfernt und es gibt es auch nicht in einer anderen Version. Ich habe daher ein anderes dieser Beispiel-Videos eingefügt, damit das Geschriebene nachvollziehbar bleibt, auch wenn einzelne Textstellen sich auf das vorherige Video beziehen.

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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3 Kommentare

  1. In den USA zumindest sind die Victoria Secret Shows Kult. Teuer angelegt Shows inzwischen unterstützt von Mega Stars. Der spiessige Durchschnittsamerikaner kann sich so, erotische Shows vor seiner Frau anschauen. In den Anfängen des Internets brach die Website regelmässig zusammen. Inzwischen sind die Shows Kult 😉 Und Klickzahlen würde ich eh nicht glauben, inzwischen werden sie durch „Profi-liker“ vergrößert…..

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