Jenseits von allen wissenschaftlichen Betrachtungen, die seit hundert Jahren das Lyrische Ich in den Blick zu bekommen versuchen, und auch immer weiter die Bedeutung auseinanderdifferenzieren, je länger man die Forscher forschen lässt, bleibt doch letztlich die erste Person Singular erhalten, die man sich beim Lesen des Gedichtes im Kopf still vorliest. Dieses Lyrische Ich ist also nicht so sehr das Lyrische Ich des Dichters, den die postmodernen Bilderstürmer mit dem Autor gleich mit entsorgten, sondern es ist das Lyrische Ich der Leserin und des Lesers. Schaut einem da der Dichter, dieser schlaue Fuchs, nicht heimlich in den eigenen Kopf hinein?

Manchmal ist das wohl so. Aber nur manchmal: Man müsste das ausdifferenzieren, das heißt, bei jedem Gedicht aufs Neue entscheiden. Manchmal steckt das Lyrische Ich auch in dem Du, wenn das lyrische Ich sich mit dem Du nämlich selbst anspricht. Damit ist dann auch fast schon ein Dialog beschrieben, auf das dieses lyrische Du hinweist. Denn manchmal spricht die innere Stimme, die das lyrische Du sich selbst vorliest, ja wirklich das lyrische Ich des Gedichtes an. Dieser schlaue Fuchs!

Bild: Lyrisches Ich, Lyrisches Es, und Lyrisches Über Ich (Foto: Wolfgang Schnier)

Geschrieben von Wolfgang Schnier

Das Sein verstimmt das Bewusstsein. literatur & kultur| lesen & schreiben| tech & privacy| kritik & gesellschaft|

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s