Klaus Mann gab 1927 und 1929 zwei Anthologien jüngster Lyrik heraus, in denen auch Günter Eichs Debutgedichte unter dem Psyeudonym Erich Günter enthalten sind. In einer losen Folge möchte ich hier einige Gedichte aus diesen beiden Lyrikbänden veröffentlichen, beginnen möchte ich mit einem Gedicht von Günter Eich. Seine Gedichte sind allesamt ohne Titel erschienen.

Deine Tage gehen falsch,
deine Nächte stehn voll öder Sterne,
immer kommen hunderte Gedanken,
immer gehen hunderte Gedanken.

Kannst du dich erinnern?
Einmal warst du
nur ein Boot in einem grünen Flusse,
einmal hattest du die Füße eines Baumes,
und du warst im Hafen der Erde verankert.

Du mußt wieder dorthin zurückkehren,
den alten Regen trinken und Blätter gebären.
Deine Schritte sind zu hastig,
deine Worte, dein Gesicht macht dich gemein.
Du mußt wieder stumm werden, unbeschwert,
eine Mücke, ein Windstoß, eine Lilie sein.

Anthologie jüngster Lyrik
Foto: Wolfgang Schnier

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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