Ein weiteres Gedicht von Günter Eich aus dem Band Anthologie jüngster Lyrik, herausgegeben von Klaus Mann im Jahr 1927.

 


Nach dreißig Wochen grundloser
Unruhe, nach dreißig Wochen
zitternder Luft, möchte ich
ein Feld hier haben, um darüberhin
zu stolpern vielleicht, mit Füßen,
die nicht mehr lernen wollen zu gehn.
Nach dreißig Wochen und es sind
Gefühl und Sprache abgelegt wie alte Kleider,
unnütz wie ein Zeitungsblatt vom vergangenen Jahr.
Absud des Waldes, o Wind, du wehtest mich
hierher, daß ich so wenig bin wie der Himmel,
daß ich die Jagd
von Blut und Herz verlor und wie mit beweglichen
Steingliedern mich hinführe über Sommer
und Herbst wie über die gleiche
unverständliche Zeit.

Anthologie jüngster Lyrik
Foto: Wolfgang Schnier

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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