Ein weiteres Gedicht von Günter Ecih aus dem Band Anthologie jüngster Lyrik, herausgegeben von Klaus Mann im Jahr 1927.

 


Im Dunkel bluten immer noch die Wunden der
Heiligen,
der Canal grande mündet des Abends gegen acht
in die Ebenen der Sterne,
um neun sinken die Brückenbögen herab wie
Augenlider.
O die Ketten der Vögel, es sind
Raben, die einen sinnlosen Flug nach den polaren
Meeren beginnen,
Wolken fliegen ihnen nach und am Tage
zittert der blaue Himmel wie nach Norden zu.
Du liegst im nassen Gras vergessen
(einer von ihnen, der in der Wildnis starb)
und schläfst.
Der Wind bewegt dich und du schaukelst
wie ein Ertrunkener auf tausend Wellen hin.

Anthologie jüngster Lyrik
Foto: Wolfgang Schnier

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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