Ah, Hesse! Wer ihn in seiner Jugend nicht gelesen hat, dem fehlt ein gewisses Feuer, eine gewisse Glut, von der man ein Leben lang zehren kann. Liest man dann später andere Texte von ihm, dann erkennt man direkt in der Sprache, in den Sätzen und zwischen den Zeilen diese Glut von früher wieder, die einen an die eigene Jugend, an die eigenen Ideale und die eigenen Emotionen erinnern, die doch letztlich einen zu dem gemacht haben, der man heute ist. Vermutlich ist das eine Besonderheit bei Hesse, denn bei keinem anderen Autor geht es mir so. Der Steppenwolf ist schon Jahrzehnte her, ebenso Siddhartha und Narziß und Goldmund, und ich könnte keinen Satz mehr rekapitulieren, höchstens noch ein Gedicht fiele mir ein. Aber sobald ich zwei Seiten Hesse lese, bin ich ich wieder ein Suchender, ein Tastender zwischen den Buchstaben, als hätte ich die Bücher nie zur Seite gelegt. Seltsames geschieht mit einem Hesse-Leser!

Und so kehre ich zurück zu Hesse, lese die Morgenlandfahrt und schaue weiter, was es noch zu erkunden gibt. Stoff habe ich, damit komme ich durch den Sommer!

Hesse Morgenlandfahrt
Foto: Wolfgang Schnier

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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11 Kommentare

  1. Deine ersten Sätze geben meine Hesse-Leseerfahrung wieder: Ich habe ihn mit 16, 17, 18 gelesen und bin mit ihm irgendwie gereist (innerlich). Dann fand ich lange keinen Zugang mehr zu ihm – und jetzt, Jahrzehnte später, ist es, als würde ich in einen Dialog mit einem alten, weisen Freund treten, der mir ganz freundlich begegnet.

    1. Ich dachte mir schon, dass es nicht nur mir so gehen kann… 🙂

      (für deinen Kommentar habe ich übrigens keine Benachrichtigung bekommen und finde daher irgendwie keinen Button um ihn zu liken. Der Support ist wie immer freundlich aber ahnungslos. Wie jedesmal mit uns beiden. ;))

  2. Ähnlich ging es mir auch… Habe mich vor einigen Monaten intensiv mit Hesse befasst und ja, es kamen die Gedanken und Empfindungen der Jugend wieder zurück, wie du es beschrieben hast.

  3. Erst vor ein paar Tage habe ich nach vielen Jahren erneut zu „Demian“ gegriffen, weil es in einem Kulturmagazin von einer Bibliothekarin zum Lieblingsbuch erklärt worden war. Und siehe da, ich hatte noch einmal ein ganz neues Leseerlebnis, als hätte ich diese Lektüre niemals zuvor in der Hand gehabt. Hesse hält eben für jede Lebensphase seine ganz eigentümliche Weisheit parat.

    Liebe Grüße
    Constanze

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