Es gibt diese Bücheranschaffungen, wie man sie nur einmal im Jahr macht – und meine letzte Anschaffung dieser Art ist auch schon wieder zwei Jahre her. Zufälligerweise habe ich gesehen, dass letzten Monat die Sonderausgabe von Montaignes Essais in der vollständigen Neuübersetzung von Hans Stilett neu herausgekommen ist. Da ich mich sowieso schon länger nach einer Ausgabe der Essais umgeschaut habe, passte das ganz gut. Wer also auf einer ähnlichen Suche ist, hier könnte sie zu Ende sein.

Wenn es einen Autor gibt, der es geschafft hat, übergreifende Relevanz auch für heute zu erreichen, und der gleichzeitig den Bogen schlägt zu unserer antiken Vergangenheit, dann ist es wohl Montaigne. Das ist eigentlich erstaunlich, wenn ein Werk am Ende des 16. Jahrhunderts auch heute noch in der Art und Weise gelesen wird. Montaigne kommt aus einer Zeit vor nationalstaatlichen Ideen — und so finden sich die Essais sowohl in der Zeit-Bibliothek der 100 Bücher als auch in der reading list des St. John’s College, die an dem Great Book– Progamm partizipieren, das vor allem von angelsächsischen Liberal Arts Colleges angeboten wird. Montaigne hat damit eine moderne Relevanz, die über nationalstaatliche Grenzen hinweg reichen. Damit ist er im 21. Jahrhundert so modern und so brisant wie kaum ein anderer Autor.

Eigentlich ist das ein Buch für lange Winterabende. Im Sommer liest sich so etwas nicht so gut. Aber nun, was will man machen!

Die Ausgabe enthält alle drei Bücher und kommt im Folio-Format in einem Band. Faksimiles der der originalen Korrekturbögen  wurden hier und da eingefügt.

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Michel de Montaigne. Essais. Erste moderne Gesamtübersetzung. Zusammengestellt von Hans Stilett. Berlin 2016.  576 Seiten, 79,- Euro ISBN: 9783847700012 

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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6 Kommentare

  1. Ausweislich der schönen Aufnahmen ist die Gesamtausgabe der Essais sehr gelungen. In unserem Lesekreis erfreuen wir uns an der Auswahl-Ausgabe des Übersetzers und Herausgebers Hans Stilett, Eichborn-Verlag, „Von der Kunst, das Leben zu lieben“. Montaigne zu lesen ist bei aller seiner klassischen Literaturkenntnis immer wieder überraschend, ebenso gedankenreich und stilvoll wie lustbar.

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