Es gibt eine heimliche Tradition unter den bücheraffinen Menschen: Von Zeit zu Zeit gibt es mal hier, mal dort Ranglisten mit Büchern, die man unbedingt gelesen haben sollte. Das kann man sehr ehrgeizig sehen und daraus gleich einen Kanon stricken, wie das etwa Marcel Reich-Ranicki getan hat. Aber MRR hatte auch eine besondere Verantwortung, nämlich dem Volk der Dichter und Denker und der Richter und Henker das Lesen näher zu bringen. Manchmal hatte man ja den Eindruck, man schmückte sich gerne mit MRR, weil dann nicht so auffiel, dass man selbst nicht einmal halb so belesen war wie er. Aber gut, wer ist das auch schon. Mit Birgit Böllinger und Matthias Engels hatte ich auch einmal über den Kanon nachgedacht. Spitzbübisch fragte ich damals beide am Ende des Gesprächs, welche zehn Bücher man aus ihrer Sicht unbedingt gelesen haben müsse — die Antworten waren so salomonisch wie die Frage beinahe schon impertinent gewesen ist: Was, nur zehn Bücher?!

Man kann dieses Nachdenken über die persönlichen Bücherhighlights ja geschickt verpacken: Welche zehn Bücher würde man mit auf eine einsame Insel nehmen? Als Jugendliche spielten wir dieses Gedankenspiel auch, allerdings nicht auf Bücher bezogen. Da kamen dann solche Dinge dabei heraus wie ‚Eine Schiffsladung voll Tabak und Blättchen‘ und andere nutzlose zivilisatorische Errungenschaften, die uns Lausbuben damals unverzichtbar erschienen. Man kann auch anders fragen: Was wären die ersten zehn Bücher, die man unbedingt in eine aufzubauende Bibliothek in einer entlegenen Ritterburg stellen müsste, wenn man wüsste, dass die nächsten Bücher erst in den nächsten Jahren angeschafft werden könnten? Diese Gedankenspiele haben ja alle eine Gemeinsamkeit: Es gibt einen mehr oder weniger ausgedehnten Zeitraum, eine mehr oder weniger ausgeprägte Isolation und — Bücher. Nun, was wünscht man sich also mehr, als endlich Zeit und Raum zu haben, um Bücher im Überfluss zu lesen. Allerdings gibt es bei diesen Gedankenspielen einen kleinen Denkfehler, den man aber gerne mitmacht: Es geht ja um Buchempfehlungen für andere, was diese in diese bücherfreundlichen Enklaven mitnehmen sollten. Man selbst würde sich, vor den Ernst einer solchen Lage gestellt, vermutlich nur einige wenige Bücher mitwünschen, die man bereits gelesen hat, und viel lieber Bücher mitnehmen, die man eben noch nicht gelesen hat. Aber genauso funktionieren diese Empfehlungen: Ich empfehle Dir die Bücher für Deine einsame Insel, und ich nehme dafür Deine Bücher mit in meine Ritterburg. Oder umgekehrt.

Diese Einsame-Insel-Bücher-Empfehlungen haben ein oder zwei weitere Haken: Man würde vermutlich in jedem Jahr andere Bücher empfehlen — vielleicht nicht in toto, aber doch neue Akzente setzen, anders gewichten und je nach Stimmung abwägen und vor allem mit wachsendem Lesehorizont anders auswählen. Außerdem haben solche Aufzählungen etwas nabelschauartiges: Schau her, das ist mein Horizont, oder so ähnlich. Somit könnte man den Eindruck bekommen, in solchen Auswahlsammlungen ginge es eher darum zu zeigen, wie toll man eigentlich die alten Klassiker findet, die eh jede/r für unlesbar hält. Das Gegenteil ist aber der Fall: Gerade, weil diese alten Klassiker so gut lesbar sind, tauchen sie auch immer wieder auf solchen Listen auf — und eben nicht solche (post-) modernen Zombiebücher wie Infinite Jest oder Dramen von Rainald Goetz. Die kann man zwar natürlich auch lesen und in solche Aufzählungen aufnehmen, und ich wäre der Letzte, der jemanden daran hindern würde, allerdings hat sowas dann auch nicht weniger etwas nabelschauartiges, nur unter einem anderen Gesichtspunkt gesehen.

Im besten Falle sind solche Aufzählungen also Leseempfehlungen, denn es gilt leider nach wie vor das Bonmot von Arno Schmidt aus dem Julianischen Kalender:

Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei; dann hätte man, bei einem green old age von 20000, demnach 15000 Lestage zur Verfügung. […] Sagen wir, durchschnittlich alle 5 Tage 1 neues Buch – dann ergibt sich der erschreckende Umstand, daß man im Laufe des Lebens nur 3000 Bücher zu lesen vermag! Und selbst wenn man nur 3 Tage für eines benötigte, wären’s immer erst arme 5000. Da sollt es doch wahrlich, bei Erwägung der Tatsache, daß es bereits zwischen 10 und 20 Millionen verschiedene Bücher auf unserem Erdenrund gibt, sorgfältig auswählen heißen. Ich möchte es noch heilsam=schroffer formulieren: Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen: Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur!

Nun, das ist Teil der historischen sowie fundamentalontologischen Tragik menschlicher Existenz, von der heute niemand mehr so recht etwas wissen möchte, weil es sich in dieser existentiellen Beunruhigung nicht allzu bequem einrichten lässt. Man ist nach solch fieberschlagenden Gedanken vielleicht, wie es Jean Améry formuliert hat, nicht mehr zuhause in der Welt. Aber genau darum kann es auch gehen, bei den Büchern und den Texten aus längst vergangenen Tagen: Man nimmt Teil am ästhetischen und philosophischen Diskurs der Jahrtausende und hat somit Anteil am Überzeitlich-Ewigen. Man kann es, in Anlehnung an Kant, verstehen als eine Partizipation an der intelligiblen Welt, man kann einen Blick hinter den Vorhang werfen, der Geist darf zur Mauerschau. Pathetischer bekomme ich es nicht formuliert, tut mir leid.

Pathos hin oder her, die Klassiker der westlichen Tradition müssen wieder einmal ran. Aber was sind die Klassiker? Darüber kann man lang und breit streiten. Ich schlage vor, dass man sich bei dieser Frage an den Literaturwissenschaftler Moritz Baßler hält: „Klassiker“, so Baßler zu „kanonischen Meistern“, „sind diejenigen Autoren und Werke, auf die die anderen mehr oder weniger ausdrücklich, mehr oder weniger selbstverständlich verweisen. Klassiker sind diejenigen Werkstücke, deren Kenntnisse die anderen Künstler bei ihren Hörern, Lesern oder Betrachtern stillschweigend voraussetzen.“ Damit wird auch deutlich, dass es nicht nur einen Kanon geben kann, sondern derer mehrere, je nach Kulturkreis, je nach Bezugssystem. Von meinem Standpunkt aus gesehen muss also eine solche Liste sehr eingeschränkt sein, da ich aus fernöstlichen Traditionen höchstens einzelne Titel nennen kann, und Literatur aus Lateinamerika, dem Mittleren Osten und Afrika höchstens stichpunktartig gelesen habe, etwa Eduarno Galeano, Patrice Nganang, Isabel Allende, Yaşar Kemal, Ernesto Kroch, Ivan Illich oder Gabriel García Márquez. Der internationalistische Blick fehlt mir ein wenig… Nunja, wichtig ist jedenfalls, dass man sich bewusst wird, dass man immer nur einen kleinen Ausschnitt benennen kann und VielleserInnen eigentlich noch am besten wissen, wie klein der eigene Lesehorizont letztlich doch ist.

Damit wird mehr als deutlich, dass es lange, lange nicht mit zehn läppischen Büchern getan ist, dass diese Einsame-Insel-Geschichte eigentlich Augenwischerei ist und im schlimmsten Falle suggeriert, dass man eben nur diese zehn Bücher zum Leben bräuchte. Der explizite und affirmative Bezug auf einen Titel schließt mindestens tausend andere aus. Aber, ach, auch Schweigen kommt aus diesem Dilemma nicht heraus, und daher hilft alles nichts: Irgendwo muss man mal anfangen, und sei es einfach bei diesen zehn Büchern, die man da in irgendwelchen Aufzählungen im Internet findet. Es wird aber auch deutlich, dass, wenn man einmal damit anfängt, kaum mehr aufhören kann, denn ständig stößt man auf diese Querverbindungen, welche auch manchmal einfach eine Bearbeitung eines Motivs sein können, wie etwa die Frage nach dem Verhältnis von Dionysisch-Apollinischem, dem Fauststoff oder die weibliche Wasserleiche, wovon einige in der Literaturgeschichte herumschwimmen. Diese großen Züge hat man vielleicht noch im Ohr, etwa den Fauststoff vom Urfaust über Goethe bis zu Thomas Mann, oder die Wasserleiche von Shakespeares Ophelia bis zu Gottfried Benn, aber es sind auch solche kleineren Spuren, wie etwa Peter Schneiders Lenzinterpretation in dem anspielungsreichen Zusammenhang der westdeutschen Studentenbewegung, die natürlich Büchners Lenz aufgreift. Oft geht es daher erst einmal darum, sich Schneisen zu schlagen, um in diesem ganzen ästhetisch-philosophischen Nexus mit einzelnen Anhaltspunkten einen Zugang zu dieser Welt zu erhalten. Dies allerdings ist dann wiederum eine ganz bestimmte Art und Weise, wie eine Auswahl getroffen werden müsste. Ach, es wird nicht einfacher, je länger man darüber nachdenkt!

Es hilft also wirklich nichts, zehn Bücher müssen her! Ich möchte die nicht in einer bestimmten Reihenfolge aufzählen, sondern gleichfalls nebeneinander stellen und keinem einen besonderen Vorzug geben, wenngleich ich sie ganz grob chronologisch ordnen möchte. Zehn Bücher zum Einstieg, bis man endlich Nachschub bekommt und dann optimalerweise gleich gerüstet ist mit Anspielungen und offenen Fäden, die weitergesponnen werden von denjenigen, die so etwas überhaupt noch beunruhigt!

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Foto: Wolfgang Schnier

Eines der ersten Bücher, das man im westlichen Kulturkreis lesen sollte, ist die Bibel. Ohne Kenntnis der Bibel versteht man weder die Kunst bis zur Frühen Neuzeit und darüber hinaus, noch ist man in der Lage, die biblischen Motive zu erkennen, die überall in der Literatur und der Kunst auftauchen können.  Dabei nutzt es nichts, einen Teil der Bibel gegen den anderen auszuspielen, identifikatorisch kann man dann ja seine Lieblingsschriften lesen, aber kritisch-reflektiert sollte man sie schon als Ganzes lesen, sowohl die jüdische Bibel als auch das christliche Appendix. Das zweite Buch, das ich zur Anschaffung und zum Lesen empfehlen würde, ist Homers Odyssee. Homer steht an der Schnittstelle zwischen mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung der Mythen und ist damit prägend geworden für die gesamte abendländische Kultur. Ich würde nicht sagen, dass sich heute noch überall Anspielungen oder Rückbezüge finden ließen. Aber Homer gab der gesamten abendländischen Literatur einen Drive, eine Richtung, wie sie sich entwickelt hat, und sie entwickelte sich eben nicht anderes. Aus der gesamten Literatur des Mittelalters kann man nichts ähnlich bis heute bleibend nennen als Dantes Göttliche Komödie. Dante geht es nicht nur um eine Zukunftsbeschreibung und eine moralische Einordnung bekannter und weniger bekannter Persönlichkeiten, sondern auch um Zeitlichkeit. Dies ist ein Motiv, das subtil und oft nur implizit durch die Literaturgeschichte geistert, vermutlich ohne dass man den Beginn explizit an einem Werk festmachen könnte. Bei Dante geht es (auch) um das Verhältnis von Linearität und einem zyklischen Verständnis von Zeit und Zeitlichkeit, und auch wenn dies ein bekanntes Strukturelement der mittelalterlichen Literatur ist, so gibt es doch kein vergleichbares Werk, das heute noch eine vergleichbare Relevanz hätte. Aus der vielfältigen philosophischen Literatur der Vormoderne würde ich Montaigne herausgreifen. Als Begründer der Essayistik und intimer Kenner der antiken und mittelalterlichen Philosophie hat Montaigne eine ganz eigene Sichtweise und nimmt eine Scharnierfunktion ein zwischen der vormodernen Philosophie und der heutigen Zeit. Da er in seiner Gedankenwelt noch sehr viel näher an den alten und mittelalten Denkern ist, aber seine Essays nach vorne in die Zukunft gerichtet sind, gleichzeitig schon eindeutig zu unserer neueren Zeit gehören, sind seine Gedanken heute immer noch relevant, da sie zeitlos sind. Außerdem sind seine Essays sehr gut zu lesen und sind nicht zuletzt zu einer der wichtigsten Textsorten unserer Zeit heute geworden. Es gibt eine moderne Übersetzung von Hans Stilett, die mir sehr gut gefällt. Eigentlich kommt man bei diesem Thema nicht um Shakespeare herum. Es gibt eine schöne zweisprachige Ausgabe aus dem ars vivendi Verlag, die ich sehr schätze. Von Shakespeare nun ein bestimmtes Stück herauszugreifen, fällt leicht und schwer zugleich: Zum einen kann man nicht viel falsch machen, zum anderen macht es das aber auch nicht einfacher. Ich würde aber trotzdem zum Hamlet greifen, nicht zuletzt auch, weil dies mit Romeo und Julia vermutlich das berühmteste Bühnenstück der abendländischen Kultur ist. Allerdings und seltsamerweise, wenn ich gerade darüber nachdenke, habe ich es in den letzten Jahrzehnten nicht aufgeführt gesehen, abgelegenere Stücke wie As You Like It allerdings schon (und da hat mir die Inszenierung nicht gefallen). Man könnte aber auch ohne weiteres Romeo und Julia empfehlen, da Shakespeare hier nicht nur einen alten antiken Stoff aufgreift, sondern auch viele spätere Adaptionen wiederum auf Shakespeare zurückgehen. Was für den angelsächsischen Sprachraum Shakespeare gewesen ist, das sei, so hört man manchmal, Goethe für die deutsche Literatur gewesen. Diese Debatte möchte ich eigentlich nicht an dieser Stelle führen, sondern lediglich darauf verweisen, dass es generell etwas schwierig ist mit simplifizierenden so-wie-Vergleichen. Aber wo wir gerade bei Goethe sind: Man müsste, wenn man sich die Weimarer Klassik ansieht, mindestens entscheiden, wieso Goethe und nicht Schiller (oder Wieland oder Herder). Man kann das Problem vielleicht elegant lösen: Ich würde von Goethe einfach die Leiden des jungen Werthers empfehlen und somit auf die vorangegangene Epoche verweisen, die mir  persönlich sympathischer ist und die Weimarer Klassik auch erst vorbereitete. Die Zeit kurz nach der Französischen Revolution war ungemein produktiv und gab dem ganzen 19. Jahrhundert Kraft, von der wir heute noch zehren, wenn auch das Licht der Aufklärung nicht mehr so wärmt wie damals. Ein Autor, der dafür sorgte, dass wir dieses Licht noch heute sehen, ist Büchner. Von ihm sollte man den Woyzeck gelesen haben, weil sich hier Probleme zeigen, die in wesentlichen Teilen bis heute unsere Gesellschaft beschäftigen. Man sollte den Woyzeck fragend beenden, aber darauf kann ich ein anderes Mal einmal näher eingehen. Aus dieser Zeit des 19. Jahrhunderts gibt es neben Goethe und Büchner noch einen weiteren Autor, den man sich unbedingt anschauen muss, nämlich Hölderlin. Hier ein Gedicht herauszugreifen, ist wenig sinnvoll. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass mir andere Dichter und Dichterinnen näherstehen, so ist es gerade diese distanzierte Weltentschwobenheit Hölderins, an der man teilnehmen darf, die seine Gedichte zu etwas Besonderem machen. Und das sind jetzt schon acht Bücher — bei dem nächsten mogele ich ein wenig: Von Kafka sollte man sich eine Gesamtausgabe seiner Erzählungen besorgen. Das ist ja dann auch ein Buch. Das entbindet mich von der fast unmöglichen Aufgabe, eine Erzählung herauszugreifen, als es auch leichter abzuwägen ist zwischen allen Erzählungen und dem Schloss. Was wir von Kafka heute noch mitnehmen können, das ist die seltsame Verstörtheit, mit der uns die Welt heute zurücklässt. Man kann sich die Welt nicht mehr als eine Einheit denken, viel zu fragmentiert ist alles: Wissen, Gesellschaft, Individuum. Kafka ist derjenige, der diesem Zustande auch heute noch wie kein anderer zum Ausdruck verhilft. Einer der letzten, der noch aus der vollen Kraft des bürgerlichen Zeitalters erzählen konnte, und das in epischer Breite, das war Thomas Mann. Beinahe hätte er den Literaturnobelpreis gleich zweimal bekommen, und von seinen Romanen ist es vermutlich der Zauberberg, bei dem man erahnen kann, dass diese Doppelauszeichnung wohl auch gerechtfertigt gewesen wäre. Und in einer ganz anderen Art als bei Dante geht es im Zauberberg um das Thema Zeit und Zeitlichkeit, die in einer eigentümlichen Verschränkung zwischen Erzählebene und realer Lesezeit verhandelt wird: Spätestens, wenn Hans Castorp ganz interessiert anfängt die Haare seiner Kamelhaardecke bei seiner täglichen Liegekur zu zählen, bekommt man ein Gefühl dafür, wie weit wir uns heute in unserem Zeitverständnis von Konzepten zu Beginn des 20. Jahrhunderts entfernt haben. Auch das ist eine eigentümliche Ebene des Themas Zeitlichkeit, welches in den Roman eingewoben wurde und sich heute erst so richtig zeigt.

Man könnte nun zwei Dinge anmerken: Zum einen gibt es kaum Überraschung oder Innovation bei den Autoren, die zudem alle männlich sind. Das kann man so oder so sehen: Zwar könnte man sagen, damit perpetuiert man ein patriarchal-normatives Weltbild, allerdings nützt es auch nicht, genau diesen Umstand zu leugnen, weil es nun einmal die längste Zeit der abendländischen Kultur ganz genau so gelaufen ist. Gut, dass es mittlerweile auffällt und noch besser, wenn man es nicht verschweigt oder auf Biegen und Brechen verschleiern wollte! Was man außerdem anmerken könnte: Es gibt keinen Titel nach 1945, oder genauer gesagt, nach 1933. Das liegt daran, dass ich davon überzeugt bin, dass ein Riss durch die Zeit geht und die Welt nach der Shoah von der Welt vormals trennt. Was nach 1945 geschrieben wurde, steht unter gänzlich anderen Vorzeichen, welche man kaum in einem solch kurzen Nachdenken adäquat darstellen könnte. Und nicht zuletzt kann man von heutigem Standpunkt aus noch nicht sagen, was von der Gegenwartsliteratur (also die Literatur seit 1945) letztlich bleiben wird. Die Popliteratur der 1990er Jahre ja vermutlich eher nicht. Aber auch das muss irgendwann später entschieden werden.

Wer nun diese zehn Bücher auf seine einsame Insel mitnimmt oder in seine Ritterburgbibliothek stellt (und dann auch liest), hat, so denke ich, eine gute Ausgangsbasis, um davon ausgehend sich weiteren Büchern zu widmen, die mehr oder weniger zum abendländisch-deutschsprachigen Kanon gehören. Man müsste vielleicht eine eigene Liste mit Büchern ab 1945 erstellen. Ich behalte das einmal im Hinterkopf!


Coverbild: Dan Smith (CC BY-SA 2.0)

Geschrieben von Wolfgang Schnier

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4 Kommentare

  1. Ich danke für diese Liste, der ich zunicke und dabei gleichzeitig weiß, dass doch noch das eine und andere, von den zehn genannten, von mir ungelesen ist!
    Alles Gute und Schöne für 2018, wünscht von Herzen, Ulli

  2. Ach, man könnte Jahrhunderte diskutieren! Parzival? Hoffmanns Murr? Aber die Auswahl hier bietet Standbeinen festen Grund, wie angekündigt. Also genickt und darüber gefreut, dass A Schmidt auch mal wieder Richtung weisen darf.

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